Das amtliche Schuldnerverzeichnis namens Schufa
Wenn man einen Kredit beantragt oder auch nur ein Konto beantragt, muss man immer mit unterschreiben, dass eine Schufa Auskunft gezogen werden kann. Neuerdings ist das sogar beim Abschluss von Versicherungen gang und gäbe. Doch was ist die Schufa und wozu dient diese Auskunft?
Die Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung, kurz Schufa genannt, ist im eigentlichen Sinne ein Dienstleister, der für die Wirtschaft Daten über Unternehmen und Privatpersonen sammelt, sie nach bestimmten Kriterien auswertet und auf Anfrage gegen Entgelt zur Verfügung stellt. Die offizielle Bezeichnung des Unternehmens ist Schufa Holding AG. Die Idee geht auf die Schutzgemeinschaft für Absatzfinanzierung Berlin zurück, die bereits 1927 von Robert Kauffmann und den Gebrüdern Meyer gegründet wurde.
In dieser Datenbank sind nicht nur Konten und in Anspruch genommene Kredite registriert. In der Anfangszeit wurden dort sogar Handyverträge registriert. Davon ist man inzwischen auf Grund der Vielfalt der Anbieter wieder abgekommen. Der Ursprungsgedanke der Schufa war einerseits, die Unternehmen davor zu schützen, dass sie Waren und Dienstleistungen an Menschen und Unternehmen liefern, bei denen von vornherein klar ist, dass sie sie nicht bezahlen können oder wollen. Andererseits stand auch der Wunsch nach einem Schutz der Verbraucher vor einer Überschuldung im Mittelpunkt der Überlegungen.
Die Rechtsgrundlage der dort gespeicherten Daten ist das Bundesdatenschutzgesetz, in dem auch die elektronische Verarbeitung der hinterlegten Informationen geregelt wird. Aus dem Jahr 1985 stammt ein Urteil des Bundesgerichtshofs, das eindeutig besagt, dass Daten nur mit Einverständnis des Betroffenen an die Schufa übermittelt werden dürfen. Leider ist das in der Praxis nicht immer der Fall. Rechtlich bedenklich ist die Praxis, die gespeicherten Daten ohne ausdrückliche Erlaubnis der Betroffenen zu digitalisieren. Hinzu kommt, dass sie inzwischen auch über das Internet eingesehen werden können. Inwiefern hier die Sicherheit der Daten gewährleistet ist, ist äußerst fraglich, wenn man bedenkt, dass es Hackern auch gelungen ist, in die als absolut sicher geltenden Netzwerke der NASA und ähnlicher Institutionen einzudringen.
Datenlieferung und Einspeisung sowie Art der Gespeicherten Daten
Teilweise melden Unternehmen wie Banken, Versicherungen, Versandhäuser und Co. die Daten an die Schufa. Einen großen Teil der Daten erhebt die Schufa aber auch selbst. Das betrifft vor allem die amtlichen Bekanntmachungen über Insolvenzen oder die zu erlangenden Daten von Vollstreckungen.
Die in der Schufa gespeicherten Daten werden in zwei Gruppen unterteilt. Das sind einmal die so genannten Positivmerkmale. Dabei handelt es sich um Geschäftsbeziehungen, die entsprechend des abgeschlossenen Vertrages ordnungsgemäß abgewickelt werden, wobei der Schwerpunkt immer auf der pünktlichen Bezahlung der georderten Dienstleistungen und Waren liegt.
Eine zweite Gruppe sind die Negativmerkmale. Sie fallen oft kaum auf und tauchen unter der Bezeichnung „Konto in Abwicklung“ auf. Für den Wissenden bedeutet diese Eintragung, dass Geschäftsbeziehungen wegen ausfallender Zahlungen beendet worden sind. Für diese negativen Eintragungen in der Schufa werden verschiedene Kürzel verwendet, die vom Laien nur schlecht interpretiert werden können, wenn man deren Bedeutung nicht kennt. Deshalb an dieser Stelle eine Auflistung der wichtigsten Kürzel in alphabetischer Reihenfolge:
CA = Kreditkarte in Abwicklung
Das bedeutet, dass hier mit der Kreditkarte Zahlungen vorgenommen worden sind, die anschließend gegenüber der Bank nicht gedeckt worden sind. Der Kreditkartenvertrag ist wegen dieser Zahlungsausfälle durch die Bank gekündigt worden.
EV = Eidesstattliche Versicherung
Bei dem Betroffenen stand der Gerichtsvollzieher wegen einer Forderung vor der Tür. Sie konnte weder sofort noch mit einer Ratenzahlung bedient werden. Der Betroffene hat dem Gerichtsvollzieher gegenüber Zahlungsunfähigkeit erklärt.
GK = Kündigung Girokonto
Die meisten Banken kündigen ein Girokonto, wenn entweder mehrmals Kontopfändungen durchgeführt worden sind oder die Kunden das Konto überzogen haben und die Überziehung nicht ausgleichen konnten bzw. mit dem Konto vorsätzlich oder grob fahrlässig Missbrauch betrieben wurde.
HB = Haftbefehl
Der Betroffene hat entweder Forderungen nicht bedienen können und dem Gerichtsvollzieher die Abgabe einer eidesstattlichen Versicherung über die Zahlungsunfähigkeit verweigert oder steht unter dem begründeten Verdacht, eine Straftat begangen zu haben.
IA = Insolvenzantrag
Der Kunde hat Zahlungsunfähigkeit erklärt. Wer mit ihm danach Geschäfte macht, läuft Gefahr, erhaltene Zahlungen an den Insolvenzverwalter zurück führen zu müssen, selbst wenn ihm diese Zahlungen in voller Höhe aus Lieferungen, Leistungen oder Verkäufen zustehen würden.
LP = Lohnpfändung
Dem Betroffenen steht nur der pfändungsfreie Betrag zur Lebenshaltung zur Verfügung. Es ist davon auszugehen, dass er zusätzliche wirtschaftliche Belastungen nicht aufbringen kann. Ursache können ausgefallene Zahlungen für Lieferungen und Leistungen, fehlende Rückführungen überzahlter Sozialleistungen oder aber Unterhaltsschulden sein.
SM = Scheckkartenmissbrauch
Der Betroffene ist entweder bei der unbefugten Nutzung von Scheckkarten Dritter erwischt worden oder hat sich durch betrügerische Aktionen gegen die eigene kontoführende Bank ungerechtfertigt bereichert. Er muss also eine hohe kriminelle Energie besitzen.
SU = Suchauftrag
Der Betroffene versucht, sich den Zahlungsverpflichtungen durch nomadisierende Lebensweise zu entziehen. Er wechselt oft den Wohnort und kommt häufig seiner polizeilichen Meldepflicht nicht nach.
VB = Vollstreckungsbescheid
Hier sind Zahlungen ausgefallen, bei denen keine außergerichtliche Einigung über die Regulierung der Schulden erzielt werden konnte. Auch die im gerichtlichen Mahnbescheid gesetzte Frist ist ohne Ergebnis verstrichen. Der Vollstreckungsbescheid wird nur erteilt, wenn der Betroffene die Zahlungsverpflichtung anerkennt oder sie gerichtlich festgestellt worden ist.
ZW = Zwangsvollstreckung
Der Betroffene ist nicht bereit, seinen Zahlungsverpflichtungen freiwillig nachzukommen. Er musste mit rechtsstaatlichen Mitteln zur Begleichung seiner Schulden gezwungen werden.
Das Scorign Verfahren der Schufa
Die Auswertung der verschiedenen Eintragungen erfolgt über das so genannte Scoring. Dabei handelt es sich um statistisches Verfahren, bei dem über die Nutzung bestimmter Algorithmen das Risiko eines Ausfalles berechnet wird. Ähnliche mathematische Verfahren kommen auch bei der Berechnung der Beiträge für Risikoversicherungen wie beispielsweise die KFZ Haftpflicht zur Anwendung. Bei genauer Betrachtung werden hier also Wahrscheinlichkeiten berechnet.
Dabei fallen die Ergebnisse für die diversen Arten des Finanzverkehrs teilweise sehr unterschiedlich aus. Das liegt nicht zuletzt daran, dass es bei vielen Menschen je nach Art des Vertrages eine unterschiedliche Zahlungsmoral gibt. So kann ein Fahrzeug- oder Immobilienkredit durchaus ständig pünktlich bedient werden, während eine Versandhausrechnung nach der anderen unbezahlt liegen bleibt oder das Konto ständig ungenehmigt überzogen wird.
Der Scoring Wert kann zwischen eins und hundert liegen. Je näher der ausgewiesene Wert der Hundert kommt, desto geringer ist das Risiko eines Ausfalles von Zahlungen. Dabei wird zwischen dem Basisscore und dem Branchenscore unterschieden. Der Branchenscore wird für sieben verschiedene Arten von Geschäftsbeziehungen ermittelt und kann sich teilweise sehr deutlich vom Basisscore unterscheiden.
Je nach Änderung der in der Schufa gespeicherten Daten ändert sich auch der Wert, der über das Scoring ermittelt wird. Deshalb ist es wichtig, immer darauf zu achten, dass negative Daten so schnell wie möglich wieder gelöscht werden.
Erledigte Kredite werden in der Regel nach drei Jahren automatisch wieder gelöscht. Sollte es dort keine Probleme bei der Abtragung gegeben haben, ist die noch stehende Eintragung eines erledigten Kredites keineswegs ein Nachteil für den Betroffenen, sondern stellt im Gegenteil sogar einen positiv zu wertenden Aspekt dar. Sollte das Darlehen weniger als 1.000 Euro betragen haben, erfolgt die Löschung in den meisten Fällen sogar schon nach einem Monat.
Sollten dort Haftbefehle zur Erzwingung einer Eidesstattlichen Versicherung eingetragen worden sein, können diese auf Mitteilung des ausstellenden Gerichtes sofort gelöscht werden. Konteneintragungen werden unmittelbar nach Auflösung des Kontos gelöscht. Das gilt auch für Mobilfunkverträge, die sofort nach Beendigung des Vertrages aus den Eintragungen heraus genommen werden.
Partner der Schufa
Die Schufa arbeitet mit verschiedenen Branchen zusammen, wobei die Geschäftspartner in drei großen Gruppen zusammen gefasst werden. Die so genannten A-Vertragspartner bekommen eine komplette Auskunft, in der sowohl die positiven als auch die negativen Eintragungen erscheinen und bei der auch ein Scoringwert mit übermittelt wird, falls der Betroffene der Übermittlung dieses Wertes nicht schriftlich gegenüber der Schufa Holding AG widersprochen hat. Zu dieser Gruppe gehören Banken, Leasingunternehmen und die Ausgeber von Kreditkarten.
Zur Rubrik der B-Vertragspartner gehören neben dem Versandhandel auch Telefongesellschaften und Unternehmen, die ihren Kunden Ratenzahlungen für die Bestellung einräumen. Auch Versicherungen gehören in die Klasse der B-Vertragspartner. Ihnen werden nur die negativen Eintragungen übermittelt.
Eine weitere Kundengruppe sind die F-Vertragskunden, die nur eine stark eingeschränkte Auskunft erhalten. Sie beinhaltet lediglich die Adressdaten der Kunden. Diese müssen allerdings ausdrücklich dieser Art der Prüfung ihrer persönlichen Daten zugestimmt haben. Vor allem für die Onlineshops ist das oft die einzige Möglichkeit einer Prüfung der Identität der sich anmeldenden Kunden. Deshalb wird dieses Verfahren auch von ebay zur Absicherung der Sicherheit der über die Plattform abgewickelten Verkäufe eingesetzt.
Die Kommission für Jugendmedienschutz hat 2005 auch die Möglichkeit geschaffen, über die Schufa F- Auskunft das Alter der Besteller von Lieferungen und Leistungen überprüfen zu können. Dabei steht vor allem die Altersbegrenzung für bestimmte Artikel und Dienstleistungen im Vordergrund. Da man im Internet schlecht die sofortige Vorlage eines Personalsausweises verlangen kann, bieten die Schufa Daten eine gute und zuverlässige Grundlage für den Alterscheck.
Was wird über mich gespeichert? Selbstauskunft schaftt Klarheit
Wer wissen möchte, welche Daten zu seiner Person im amtlichen Schuldnerverzeichnis gespeichert sind, kann bei der Schufa Holding AG eine so genannte Eigenauskunft beantragen. In der Eigenauskunft werden alle gespeicherten Daten übergeben. Unter http://www.meineschufa.de kann man gegen eine Gebühr von knapp acht Euro die Zusendung einer solchen Eigenauskunft beantragen oder sich für einen einmaligen Betrag von 15.60 Euro einen dauerhaften Online Zugang zu seinen Schufa Daten frei schalten lassen. Letzteres hat den Vorteil, dass man immer auf dem aktuellen Stand bleibt, ohne jedes Mal neu eine schriftliche Eigenauskunft beantragen zu müssen.
Weblinks:
Kredit ohne Schufa I Versicherungen sind wichtige Lebensbegleiter
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