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Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht nimmt Versicherer in Visier |
Finanzaufsicht hat Versicherer aufs Korn genommen
Wenn die Geschäfte in einem Bereich nicht mehr so gut laufen, muss ein Unternehmen sich andere Bereiche erschließen, um die fehlenden Einnahmen zu decken. Dies ist überall in der Wirtschaft so, und auch im Finanzbereich ist dies nicht anders. Im Laufe der Jahre haben deshalb nicht nur die Banken Finanzprodukte wie Tagesgeld und Festgeld für sich entdeckt, sondern auch Versicherungen bieten inzwischen Möglichkeiten zur Geldanlage an – die nichts mehr mit der bisherigen kapitalbildenden Lebensversicherung zu tun haben.
Das ist das gute Recht der Versicherungsunternehmen – solange die neuen Angebote keinen negativen Einfluss auf die bisherigen Kunden und frühere Verträge haben, und solange die dafür angepriesenen und vertraglich vereinbarten Zinsen überhaupt ausgezahlt werden können. Genau dies ist aber inzwischen der Fall, vermutet zumindest die BaFin, die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht. Denn ihrer Meinung nach könnten die Lebensversicherer, die nun hohe Verzinsungen anbieten für Einmalzahlungen in Lebensversicherungen, irgendwann in die finanzielle Bredouille geraten. Doch nicht nur dies stößt der BaFin ungut auf, auch die Tatsache, dass die Versicherungen durch diese neuen Finanzangebote in Konkurrenz treten mit Banken, aber keine Bank sind. Und so möglicherweise ihre eigenen Reserven verschleudern, um die hohen Zinsen zahlen zu können, die der Kapitalmarkt selbst jedoch gar nicht mehr hergibt im Moment.
Die Versicherungen sind jedoch genau auf dieses Einmalgeschäft mit hoher Verzinsung angewiesen, wie die Statistiken der vergangenen Jahre zeigen. Bei vielen Versicherern läuft vieles nur noch über dieses Geschäft der Einmalzahlungen in Lebensversicherungen, die dann hoch verzinst werden – bei vielem anderen lahmt das Geschäft. Nach Jahrzehnten der „Überversicherung“ sucht sich die Bevölkerung inzwischen besser aus, was an Versicherungen wirklich benötigt wird, und was wegfallen kann. Zudem hat der Preiskampf unter den Versicherungsunternehmen für Einbußen bei den Geschäftseinnahmen gesorgt.
Die BaFin selbst war nicht zu einer Stellungnahme bereit zur genannten Angelegenheit bereit, wie das „Handelsblatt“ inzwischen berichtet hat, laut des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft, GDV, handelt es sich nur „um eine routinemäßige BaFin-Abfrage".
Dennoch bleiben viele Fragen offen: Wie wollen die Versicherer die hohen Zinsen finanzieren, nachdem sie sich selbst stark aus der Aktienanlage zurückgezogen haben, und oftmals nur noch auf normal verzinste Geldanlagen setzen? Wir leben in einer Zeit der Niedrigverzinsung, aufgrund des niedrigen Leitzinses, der immer noch bei 1,00 Prozent stehenbleibt, wie erst Donnerstag dieser Woche bei der Ratssitzung der Europäischen Zentralbank entschieden wurde. Die Versicherungsunternehmen müssen demnach, zur Finanzierung der hohen Zinsen für Einmalgeschäfte an ihre Reserven gehen. Mittelfristig wird dies wohl unausweichlich auf die Kosten der bisherigen Verträge und der bisherigen Kunden gehen – und spätestens dann wird die BaFin auf jeden Fall mehr als nur „routinemäßig“ tätig werden müssen.
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